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Ohne Jääb, aber mit Peter und Robert


Große Kleinkunst in der Glückauf-Halle

Samstagabend. Anfang Oktober. Zeit für Caffè Cult. In der 13. Auflage der Spiesen-Elversberger Kleinkunstgala gab es die gewohnt gute Mixtur aus Musik, Tanz und Literatur und es gab einen Überraschungsgast. Den Anfang in der gut gefüllten Glückauf-Halle machte die Band um den Saarbrücker Roland Helm. Den Jungs gelang es, zusammen mit gesanglicher Unterstützung von Johanna Ernst, die Songs von Leonard Cohen perfekt zu intonieren. Bei Titeln wie „First we take Manhattan", „Suzanne" oder Hallelujah" glich Helms Stimme 1:1 der von Cohen. Ein mehr als gelungener Auftakt. Nach dem Maskentanz, aufgeführt von der Showtanzgruppe 8 vor 11 des Kulturvereins Ormesheim, las Inge Jochum-Leonardy zwei brandaktuelle Geschichten, die noch nicht schriftstellerisch verewigt sind. Und dann gelang Bürgermeister Reiner Pirrung, der den Abend moderierte, wahrlich eine Überraschung. Er überzeugte Prof. Robert Leonardy, Inges Gatte, der im Publikum saß, ein Klassikstück zum Programm beizusteuern. Spontan griff der insbesondere als Macher der Musikfestspiele Saar bekannte und international renommierte Pianist in die Tasten des kurzfristig auf die Bühne geschobenen Flügels. Chopin hätte es wohl kaum besser gemacht. Danach gab es ein kleines Wiedersehen mit dem Stumm-Musical. 12 Jungs und Mädels des Projekts aus der benachbarten Kreisstadt tanzten und sangen drei Sequenzen vom Morphium-Trip bis zur Utopie. Letztere als effektvoller Can Can erst im zweiten Teil des fast dreistündigen Programms. Als sich nach der Pause der Vorhang hob, stand sie erstmals allein auf der Bühne. Julanda Jochnachel hat sich von ihrem Jääb getrennt und tritt nun solo auf. Und natürlich lästerte die saarländische Comedy-Queen gewohnt schroff über die Männerwelt. Zum Beispiel mit der Frage, was Wolken und Männer gemeinsam haben. Julandas Antwort: „Wenn sie sich am Morgen verziehen, kann es noch ein schöner Tag werden". Dazu kam vornehmlich Beifall aus den weiblichen Ecken des Auditoriums, obwohl man sich ingesamt nicht des Eindrucks erwehren konnte, dass sie vielleicht doch nach
einem männlichen Jääb-Ersatz auf der Suche war.

Hortons kleine Nachtmusik

Zwei Gitarren und ein Altmeister des deutschen Chansons. Peter Horton, wenige Tage zuvor 75 geworden, beschloss den Abend mit samtweicher, sonorer Stimme und filigranem Gitarrenspiel. In Liedern wie „Poet und Poesie" oder seinem größten Erfolg „Wenn du nichts hast als die Liebe" stellte er seine poetischen und immer philosophischen Künste einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis. Zu Recht nennt er sein ganzheitliches Unterhaltungsprogramm „Philotainment". Horten las Aphorismen aus dem letzten seiner inzwischen elf veröffentlichten Bücher. Der ehemalige Wiener Sängerknabe feiert in diesem Jahr sein unglaubliches, 65-jähriges (!) Bühnenjubiläum. Und irgendwie glich die gesamte, von Pirrung initiierte und zusammen gestellte Kleinkunstgala der früheren Fernsehsendung Hortons „Café in Takt", nur war eben alles erfrischend live.