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Meisterinnen und Meister des geschliffenen Wortes im Caffè Cult


Spiesen-Elversberg. Es war wieder die gewohnt gute Kleinkunstmixtur, die Bürgermeister Reiner Pirrung seinem Publikum servierte. Die Glückauf-Halle in Elversberg verwandelte sich ins „Caffè Cult". Und heiß wie der echte Kaffee ging es im übertragenen Sinne tatsächlich her. Denn zu Beginn heizten die sechs Männer von Hexeschuss mit Irish Folk dem Publikum mächtig ein. Traditionelles wie „Leaving of Liverpool" oder Neueres beispielsweise von der deutschen Formation Paddy Goes To Holyhead animierten sofort zum Mitsingen, besser noch Mitklatschen. Hexeschuss-Gitarrist Steffen Jung war es auch, der die Fotoausstellung zum Abend beisteuerte. Wunderbare Naturfotografien. Nach der geschliffenen Musik gab’s geschliffene Texte. Der „Spieser Bub" und Mitglied des St. Ingberter Theaterensembles Die Musenbolde Jan Forster trug ein kabarettistisches Stück „Das Los der Losen" von Werner Finck vor und natürlich ging es darum, dass manche Schraube locker ist, also lose sitzt. Noch einen drauf setzte die Saarlandmeisterin im Poetry-Slam, einem modernen Dichterwettstreit. Andrea Maria punktete mit herzerfrischenden, manchmal gereimten Versen über Goethe und so ein einfaches Wort wie nichts. „Nichts" gehört zu den Floskeln in zwischenmenschlichen Unterhaltungen von Mann und Frau wie „schön" oder „passt". Die Slammerin zelebriert diese drei Worte über vier Minuten lang bis am Ende – die Dame des Herzens kauft Unterwäsche – alle drei sich wunderbar verbinden: Ein Hauch von „Nichts", der „schön" ist und „passt". Allerfeinste Literatur. Mit musikalischer Mundart-Comedy von Langhals & Dickkopp ging es in die Pause. Ihr moselfränkischer Wort- und Spielwitz (Gitarre und Klarinette) zauberte nicht nur beim Gassenhauer „De Erich unn de Sepp" den knapp zweihundert Zuschauern ein Lächeln ins Gesicht.

Die „Mäbbinger Buwe" gehören zu den Königen der Mundart – musikalisch genau so wie bei den gesprochenen slapstickmäßigen Moderationsduellen.

Geschliffene Worte vor und nach der Pause

Der Vorhang öffnet sich wieder und der Moderator begrüßt acht stimmgewaltige Frauen auf der Bühne. Die Li(e)dschatten mit Frontfrau Susanne Thewes hatten zwar nur einen A cappella – Titel (Saarland-Jodler) mit nach Elversberg gebracht, überzeugten stimmlich aber genau so mit den Musikeinspielungen danach. Ohrwürmer wie „Long train runnin‘" von den Doobie Brothers animierten den Saal zum Mitwippen und Mitsingen ebenso wie das Aretha-Franklin-Medley. Und dann kam sie. Die SWR 3 Comedy-Förderpreisträgerin vom vergangenen Jahr als wortgewaltiger Schlusspunkt. Anne Vogd. Die Frau, karnevalistisch als gebürtige Aachenerin vorgeprägt, haderte wie könnte es anders sein, mit ihrer besseren Hälfte. Aber wie zu erwarten war, wenn die Rheinländerin von ihrem Ehealltag berichtet, ist eben nicht alles bestens bei dem männlichen Gegenpart. Sie haut so bissige Sachen über die Bühnenrampe raus wie: „Je nach Jahreszeit dekoriere ich auch gerne um: Bilder, Blumen, Sofakissen. Und letztes Jahr hatte ich ein Problem: Auf einmal passte mein Mann nicht mehr zur Couchgarnitur" oder „Seit über 20 Jahren versuche ich mit dem vorhandenen Material zurecht zu kommen. Und watt ist der Dank für die Müh? Vor 4 Wochen waren wir auf ner Hochzeit eingeladen. Da sollten alle verheirateten Männer auf die Person zugehen, die ihr Leben lebenswert macht. Der Barkeeper wurde fast tot getrampelt."

Tosender Applaus am Ende gegen kurz vor 23 Uhr war ihr verdienter Lohn. Die Zuschauer quittierten einen hohen Zufriedenheitsgrad mit dem üppigen, abwechslungsreichen Bürgermeister-Programm. Und Anne Vogd freute sich ebenso: „Es war eine tolle Veranstaltung, ein wunderbares, bespassungswilliges Pulblikum. „Ich habe die Show sehr genossen", resümierte die Comedy-Frau.