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Artenschutz Truckenbrunnen


„Schon als kleiner Junge haben wir in der Sandgrube gespielt und die reichhaltigen Amphibienvorkommen beobachtet", so Hans-Jörg Flottmann, Dipl.-Biogeograph und gemeinsam mit seiner Frau Anne Flottmann-Stoll, ebenfalls Dipl.-Biogeographin, Inhaber des Büros für Landschaftsökologie, welches für die Gemeinde Spiesen-Elversberg aktuell eine spezielle artenschutzrechtliche Untersuchung durchführt.

Mitte des Jahres hat die Gemeinde Spiesen-Elversberg im Zuge der Erschließungsarbeiten im Neubaugebiet „Am Truckenbrunnen" von Mitgliedern der NABU Ortsgruppe St. Ingbert den Hinweis erhalten, dass im unmittelbaren Bereich des Erschließungsgebietes Vorkommen der streng geschützten Kreuzkröte ansässig sind. Des Weiteren habe man diese Art auch in der ehemaligen Sandgrube „Hungerpfuhl" beobachten können und darüber hinaus am Böschungsfuß Bestände des ebenfalls streng geschützten Nördlichen Kammmolches nachgewiesen.

Die große Herausforderung, die sich für die Gemeinde Spiesen-Elversberg ergab, war das Schützen dieser seltenen Amphibienarten und ein gleichzeitig möglichst uneingeschränktes Bauen im Truckenbrunnen. Fachkundige Unterstützung suchte man sich bei dem Biogeographen-Ehepaar Flottmann-Stoll, das schon weit über die Grenzen des Saarlandes hinaus zahlreiche Referenzen im Bereich des speziellen Artenschutzes, insbesondere von Amphibien nachweisen kann. So gelang es bereits Ende Juli in Abstimmung mit dem Landesamt für Umweltschutz, Sofortmaßnahmen zum Schutz der Kreuzkröte einzuleiten. Im Baugebiet „Am Truckenbrunnen" wurde um das Laichgewässer ein Amphibienschutzzaun errichtet, um ein flächiges Abwandern der Kröten in das umliegende Baufeld zu verhindern. Der Uferbereich wurde mit Versteckmöglichkeiten versehen und die Bautätigkeit im näheren Umfeld des Gewässers eingestellt. Danach wurden über Wochen regelmäßig die Individuen der Kreuzkröte abgefangen und aus dem akuten Gefahrenbereich in die ehemalige Sandgrube „Hungerpfuhl" versetzt. Zur langfristigen Sicherung der Kreuzkröte und des Kammmolches wird das Planungsbüro Flottmann & Flottmann-Stoll, St. Wendel nun ein Artenschutzkonzept erarbeiten.

Aktuell befinden sich die Kreuzkröten und Kammmolche in Winterruhe. Diese Zeit nutzen aktuell Gabi Stein und Jessica Mildenberger, Mitglieder des NABU Saar, Ortsgruppe St. Ingbert. Sie reinigten vergangene Woche ehrenamtlich den Graben am Böschungsfuß der ehemaligen Sandgrube. Neben allerlei Müll, der gesammelt und entsorgt wurde, musste der sich stark ausbreitende Rohrkolben ausgedünnt werden. Trotz nasskaltem Novemberwetter gingen die beiden Naturschützer mit Anglerstiefeln ausgestattet frisch ans Werk, wovon sich auch Bürgermeister Reiner Pirrung und die stellvertretende Bauamtsleiterin Susanne Hammel vor Ort überzeugen konnten.

„Es freut uns, dass wir im Ortsteil Spiesen über einen amphibischen „Hotspot" verfügen. Insbesondere, dass neben der sehr seltenen Kreuzkröte auch der seltene Kammmolch hier nachgewiesen ist, ist eine kleine ökologische Sensation! Die Gemeinde wird nun die notwendigen Maßnahmen durchführen, um die Amphibienarten auch auf Dauer zu erhalten und zu schützen, wenngleich der Artenschutz auch nicht immer einfach mit den städtebaulichen Planungen der Gemeinde in Einklang zu bringen ist", erklärt Pirrung. Er bedankte sich bei Stein und Mildenberger für das ehrenamtliche Engagement.